“1. W, 2. W, HTW…”
So lautete er, der gefürchtete, von den Erstsemestlern noch belächelte Spruch bei uns damals an der TU Dresden. Und unrealistisch oder übertrieben war das nicht. Viele der Informatik- und Medieninformatik-Studenten an der TUDD kamen irgendwann an den Punkt, an dem selbst eine zweite Wiederholungsprüfung nicht bestanden wurde und das Studium erstmal unfreiwillig beendet war. Mit der Konsequenz, dass besagte Richtung in ganz Deutschland nicht mehr studiert werden konnte, jedenfalls an Universitäten. Da die HTW in Dresden aber die gleichen, oder zumindest Studiengänge mit der gleichen Bezeichnung, anbot, sah man bald einige TU-ge’exten dort wieder.
Es gab da also für die TU-(Med)-Infler dieses sagenhafte Modul Fach namens Logik. Klingt erstmal simpel, weil halt alles ganz logisch, aber nein, das war es nicht. Um den Inhalt soll es auch gar nicht gehen. Jedenfalls war Logik bzw. dessen Professor namens Hölldobler (ein Omen?) berühmt-berüchtigt dafür, der Exmatrikulator zu sein. (Obwohl er einer der wenigen war, die nen Mac benutzten!) Seit jeher war Logik also das Haupthassfach der Studenten und das, obwohl es über lange Jahre hinweg lediglich galt, einen Schein zu erwerben. Man hatte also “nur” ein Testat zu bestehen, das man notfalls beliebig oft wiederholen konnte. Sowas bringt natürlich Vor- und Nachteile mit sich, für den gemeinen Studenten wohl eher mehr Nachteile, denn der neigt ja gern mal zum Prokrastinieren bzw. Freischussdenken ala “Ich lern nur n bissel, wenns nich klappt, mach ichs nächstes Semester halt nochmal”. Und wegen letzterem gab es entsprechend Durchfallquoten jenseits von Gut und Böse. Dummerweise brachte das den Lehrstuhl, entgegen seinen Gewohnheiten, diesmal aber tatsächlich zum Reagieren. Man änderte kurzerhand die Prüfungsordnung ab dem WS 2004/05 (meinem Einstiegsjahr). Nun war Logik kein bloßer Schein mehr. Nun musste eine Prüfung abgelegt werden, wie für jedes ernst zu nehmende Fach eben. Damit, so erhoffte man sich, würden die Studenten den Ernst der Lage erkennen und fortan fleißig lernen und bestehen. Nun, dass immense Fortschritte gemacht wurden, was die investierte Lernzeit angeht, kann ich bestätigen. Allein den Durchfallerquoten hat es so gar nicht helfen wollen.
Anstatt an diesen Umständen etwas zu verbessern, entschied man sich für das Gegenteil: man erhöhte den Druck auf die Studenten einfach noch weiter. Bislang war es so, dass für die Genehmigung einer zweiten Wiederholungsprüfung ein Antrag gestellt wurde, der, falls der Student nicht erkennbarer Nichtsleister war, auch genehmigt wurde. Nun aber handhabte man diese Angelegenheit ab sofort strenger: wer die 1. W versammelt hatte und eine 2. W schreiben wollte, hatte seinem Antrag allen ernstes ein psychatrisches Gutachten beizulegen. Dieses, wie der Name schon sagt von einem praktizierenden Verrücktenheiler aufgesetzte und unterzeichnete Dokument, sollte versichern, dass der Student zum Zeitpunkt des Eintragens in die 1. W geistig nicht in der Lage war, seine eigene Unfähigkeit zu erkennen! Denn: wer in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte die erste Wiederholungsprüfung eingegangen war und durchfiel – dem wurde eine weitere Wiederholung kategorisch verwehrt. So manch einer vermutete dahinter eine geschickt eingefädelte Verschwörung. Es hieß, die Uni bekäme für jeden Studenten zu dessen Immatrikulation Fördermittel, anschließend aber nix mehr. Jeder Student sei also mehr oder weniger eine Last, derer es sich zu entledigen galt. Schließlich waren die räumlichen und personellen Kapazitäten für diese Masse an Studierenden gar nicht ausreichend. Warum immatrikuliert man dann überhaupt erst so viele? Egal, ich schweife ab
Heute, Jahre später und in den letzten Zügen meines Medienmanagement-Studiums, erhalte ich eine E-Mail. Eine Änderung des Sächsischen Hochschulgesetzes.
Rückwirkend ab dem SS 2009 (01.03.2009) gilt die Einschreibung zu einer 2. Wiederholungsprüfung als Antrag zur 2. Wiederholungsprüfung. Der bisher erforderliche gesondert begründete Antrag auf 2. Wiederholungsprüfung entfällt.
Nun muss man nicht mal mehr eine simple Begründung hinkritzeln…
Schöne Grüße nach Dresden!
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