Der Dunkle Turm – Stephen King

Fertig! Nach den etwa 5.000 Seiten des Dunklen Turm Zyklus hat man das Gefühl, ganz schön was hinter sich gebracht zu haben. Fühlt sich ähnlich episch an wie der Weg, den die Protagonisten in den insgesamt 7 Bücher zurücklegen, die Stephen Kings zentrales Werk darstellen.

In einem Zeitraum von gut 30 Jahren hat King hiermit klar sein Lebenswerk geschaffen, das die anderen Bücher des Autors auch deswegen als Nebengeschichten erscheinen lassen, weil es immer wieder Bezüge zu diesen gibt. So wird einer der Figuren in Kings zweitem Roman “Brennen muss Salem” auch im Dunklem Turm Zyklus eine wichtige Rolle zuteil. “Der Dunkle Turm” ist eine wilde Mischung aus einer Vielzahl von Genres, die so kaum zusammenpassen wollen, es durch Kings geschickten Storyaufbau aber irgendwie doch tun. Ist Band 1, “Schwarz” (Original: “The Gunslinger“), noch vorrangig ein Westernroman mit leichten Fantasyanleihen, ändert sich die Ausrichtung im Verlauf der Bücher teilweise dramatisch. Ob Science-Fiction, Fantasy, Horror oder sogar Liebesdrama: der Turm ist scheinbar überall zu Hause. Sicher nicht zuletzt, weil King immer wieder für Jahre mit dem Schreiben seines Epos aufhörte um irgendwann doch wieder auf neue Art weiter zu schreiben. Erst nach vielen vielen Seiten wird dem Leser häppchenweise immer weiter offenbart, worum es sich beim Dunklen Turm überhaupt handelt und warum Hauptprotagonist Roland Deschain von Gilead, der letzte Nachkomme der Linie des Eld und der letzte Revolvermann seiner Welt, für die Suche nach diesem monumentalen Bauwerk alles aufgeben würde.

Klingt also nach einem zähen Start und das kann ich auch nicht bestreiten. Da ich persönlich kein großer Fan von Wild West Szenarios bin, wollte mir der recht kurze Band 1 auch nicht so richtig gefallen. Zum Glück entschied ich mich dennoch, Teil 2 (”Drei“, im Original “The Drawing of the Three“) anzufangen – und fand in diesem einen der besten Romane, die ich in den letzten Jahren lesen durfte. Hier verbindet Stephen King überaus geschickt die fantastische, ungewöhnliche Welt des Revolvermanns mit der unsrigen. Und endlich werden konkrete Hinweise auf die Hintergründe des Zyklus an sich gegeben: die Dunkle Turm Reihe ist eine Reise durch die Mannigfaltigkeit unendlich vieler Welten, die einander gleichen und doch überaus verschieden sind. Eine Odyssee ohne klar erkennbares, weil im Grunde unbekanntes Ziel, aber dem Wissen, ohne das Bestreben der “Gefährten” Kings sei nicht nur diese Welt dem Untergang geweiht.

Natürlich bleibt es bei einer Reihe dieses Umfangs nicht aus, dass zwischendurch einige Längen auftreten. So schafft es King irgendwie in Buch Nummer 5, “Wolfsmond” (”Wolves of the Calla“), erstaunlich viele Seiten vollzuschreiben, ohne tatsächlich so etwas wie Aktion zu bringen. Erst nach langem Durchhalten wird man mit einer finalen Schlacht belohnt, die allerdings von Beginn an angekündigt war. Dennoch: auch die Längen auf dem Weg zum Turm bieten etwas – nämlich Hintergrundinformationen. Und das ist ohnehin eine der Stärken von King: er stattet seine Figuren und die Welt, in der sie agieren, mit so viel Detailreichtum aus, dass man mit dem Lesen der Bücher immer mehr das Gefühl bekommt, Roland und sein Ka-Tet (seine Schicksalsgefährten) tatsächlich zu kennen. In beliebigen Situationen kann man sehr gut einschätzen, wie welcher Protagonist reagieren würde. Dieses Identifizieren und Anfreunden mit den Handlungsträgern ist letzten Ende der Hauptgrund, warum man sich nicht vom Zyklus um den Dunklen Turm lösen möchte und enttäuscht ist, wenn dieser schlussendlich gefunden ist. Entsprechend kann man leider von der Auflösung dessen, was der Turm tatsächlich beinhaltet, auch nur enttäuscht werden.

Ein Grund, erst gar nicht mit dem Dunklen Turm anzufangen, ist das aber bei weitem nicht.

Hinterlassen Sie einen Kommentar oder abonnieren Sie den Feed.

Kommentare

Noch keine Kommentare.

Einen Kommentar hinterlassen

(erforderlich)

(erforderlich)