Stephen King – Wahn

Da ich hier ja zu nix komme, nun erneut ein kurzer Gastbeitrag. Diesmal von meiner ehemaligen Dresdener Kommilitonin Claudia Korneli.

Das Leben meint es gut mit Edgar Freemantle. Nummer Eins im Baugewerbe, geliebter Ehemann und Vater. Bis zu jenem schweren Unfall, der ihm nicht nur den rechten Arm sondern auch seine bisherige Existenz nimmt. Von unerträglichen Schmerzen, Gedächtnislücken und Wutausbrüchen geplagt, von Frau und Kindern verlassen, flüchtet er auf Anraten seines Arztes auf die Floridahalbinsel Duma Key. Die Einsamkeit und ungewöhnliche Atmosphäre der Insel lassen sein heimliches Interesse an der Malerei wieder aufflammen und fördern ein ungeahntes Talent zu Tage. Immer schneller und skurriler entstehen seine Bilder (jaja, im Wahn :P ), bis sie plötzlich beginnen, ein ungeahntes Eigenleben zu führen und die längst vergessenen Ängste eines damals kleinen Mädchens (heute alte Frau und Besitzerin von Duma Key) erneut zum Leben erwecken.

Dieses Buch zählt mit Abstand zu den Besseren, die Stephen King je auf dem Markt gebracht hat. Der langsame aber stetige, sich immer mehr steigernde Spannungsaufbau hat es mir fast unmöglich gemacht, das Buch aus der Hand zu legen. Tag oder Nacht.
King erschafft die zunächst „normale“  Welt eines knapp-dem-Tod-Entronnenen, der versucht sein Leben wieder halbwegs in den Griff zu bekommen und fügt nach und nach immer mehr surreale Elemente ein, die gegen Ende Totenschiffe, lebendige Skeletten, Erscheinungen aus Sand oder auf dem Rücken fliegende Reiher als vollkommen normal erscheinen lassen. Allerdings ist das Ende an sich doch etwas unbefriedigend, wie schon in einigen vorher gehenden Werken (z.B. Puls). Alle Handlungsstränge fügen sich zwar zusammen. Wirre, immer wieder auftauchende Phrasen einer geistig labilen alten Dame („Der Tisch ist leck.“) ergeben plötzlich einen Sinn. Und doch: kaum hatte das Ende so richtig begonnen, war es auch schon vorüber. Aber wahrscheinlich erscheint einem jedes gute Buch als viel zu schnell vorbei.

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